1 Jahr nach Kloake Böllinger Höfe. Was ist geschehen?

Böllinger Höfe LKW Rastplatz IMG_9534          Am 05. 08. 2015 berichtete die Presse über die Zustände in den Böllinger Höfen, verursacht durch vornehmlich osteuropäische Transit-LKW-Fahrer, die nachts und an den Wochenenden als Schwerpunkt die Grundäckerstraße gebrauchswidrig als LKW-Rasthof umfunktioniert hatten. Aufgeschreckt durch die Berichterstattung über die dort herrschenden extremen Zustände versprach die Stadtverwaltung Abhilfe und Besserung.
Wir haben uns jetzt nach 1 Jahr dort vor Ort wieder umgesehen und uns auch mit dem dort in der Grundäckerstraße ansässigen und unmittelbar betroffenen Firmeninhaber von airLIGHT e.K., Herr Willi Ziffus, unterhalten.

Redaktion:Herr Ziffus, am 5. August 2015 informierte die örtliche Presse erstmals über die Zustände in den Böllinger Höfen. Was ist seitdem hier vor Ort aus Ihrer Sicht geschehen?“

W. Ziffus: „Wir hatten die Presse informiert. Ob überhaupt und wann die Presse dazu einen Bericht veröffentlichen würde, war uns nicht bekannt. Wir wurden erst auf die Berichterstattung aufmerksam, weil es am Morgen des 5. August 2015 in der Grundäckerstraße von städtischen Arbeitern erstmals hier nur so wimmelte. Man war mit einem ganzen Trupp Mitarbeitern, Kehrmaschinen und sogar Wasserwagen angerückt um für erste Ordnung zu sorgen und zumindest die Straße mit Hochdruck von den schlimmsten Verunreinigungen frei zu spülen.

Redaktion: „Also hat die Stadtverwaltung Wort gehalten und umgehend für Abhilfe gesorgt. Das ist doch sehr löblich.“

W. Ziffus: „Ja und nein. Für uns hat sich die ganze Aktion im Nachhinein nur nach vertuschen oder zumindest beschönigen wollen dargestellt.“

Redaktion: „Aber die Stadtverwaltung hatte doch sogar ein ganzes Maßnahmenpaket veranlasst.  Wie zu lesen war, wurde die Müllreinigung intensiviert. Es wurden Verbotsschilder aufgestellt. Gegen die Fäkalisierung der Straßen wurden sogar extra Dixi-Toiletten aufgestellt. Damit müsste doch dem Problem in der Grundäckerstraße nachhaltig Abhilfe genug geleistet worden sein.

W. Ziffus: „Es wurden nur die Symptome behandelt – die Ursachen und vor allem aber die Verursacher selbst blieben nachhaltig völlig unberührt. Wir haben die Stadtverwaltung dringend gebeten dafür zu sorgen, dass die Grundäckerstraße nicht jede Nacht und an den Wochenenden von den Transit-LKW-Fahrern als LKW-Rasthof missbraucht wird. Das wurde strikt abgelehnt, weil man sich keine Verlagerung dieses Problems in andere Straßen oder Stadtteile wünschte. In der Öffentlichkeit hat die Stadtverwaltung den Wunsch zur Unterbindung des wilden Transit-LKW-Rasthofes so dargestellt, als wollten wir den gesamten LKW-Verkehr aus den Böllinger Höfen raus haben. Das ist natürlich völliger Unsinn uns solches zu unterstellen und nur diskreditierend.“

Redaktion: „Aber die Stadtverwaltung hat doch sogar extra eine monatliche Sprechstunde für die Sorgen und Nöte nur der in den Böllinger Höfen ansässigen Anlieger eingerichtet. Da hätte man doch den Erfolg der eingeleiteten Maßnahmen gemeinsam überprüfen und gegebenenfalls in Absprache nach Bedarf nachkorrigieren können?“

W. Ziffus: “ *lacht* Ja, klar, nach außen hin stellt man sich mit so einem bürgernahen Service immer gut dar. Das verkauft sich gut für die Öffentlichkeit. So weit ich weiss, hatte es diese Bürgersprechstunde in den Böllinger Höfen als offene Runde für alle Beteiligten nur einmal gegeben. Danach hat uns die Stadtverwaltung mitteilen lassen, dass die Anlieger der Böllinger Höfe keine offene Runde, sondern nur Einzelgespräche haben wollten und deswegen dann nur noch zu solchen eingeladen. Statt dem angekündigten runden Tisch für alle Anlieger der Böllinger Höfe zur LKW-Rasthofsituation, reduzierte die Stadtverwaltung dies auf Einzelgespräche. Das war aber mehr Tribunal, dem man dann gegenübersaß, als Gespräch. Seit Februar 2016 gab es dann auch gar keine Einladungen mehr zu einem Bürgergespräch.  Ist auch kein Fehler, denn es ist sinnlos, wenn man ohnehin kein Argument gelten lässt und nur zu hören bekommt, dass man nichts tun kann.

Redaktion: „Polizei, städtische Polizeibehörde und Ordnungsamt kümmern sich doch aber sicher um die Verkehrssituation auch in den Böllinger Höfen. Es war doch auch zu lesen, dass sich die Ordnungsbehörden durch verstärkte Kontrollen für die Böllinger Höfe einsetzen wollten um für Ordnung zu sorgen.“

W. Ziffus: „Richtig. Verstärkten Einsatz des Ordnungsamtes konnten wir zumindest letztes Jahr kurze Zeit im Herbst bemerken. Danach und seitdem nicht mehr. Ist ja auch sinnlos, denn osteuropäische LKW-Fahrer können machen was sie wollen. Gegen die sind Ordnungswidrigkeitsmaßnahmen sinnlos und werden erst gar nicht erhoben, wie ja auch in der Presse zu lesen war. Wir haben erst vor ein paar Tagen wieder festgestellt, dass man einzig vor dem Audi-Werk sich bemüht, selbst sogar nur einen einzigen LKW, selbst wenn der in einer Ecke steht, wo er niemanden wirklich stört, diesen abzumahnen und es aber völlig egal erscheint, dass und wenn zum gleichen Zeitpunkt in der Grundäckerstraße sich 15 LKW-Fahrer ordnungswidrig verhalten, davon z.B. im LKW Parkverbot campieren oder 7 LKW-Fahrer ihre Motoren im Dauerbetrieb laufen lassen.

Redaktion: „Es ist vielleicht auch ein bisschen viel verlangt, zu erwarten, dass die Polizei von sich aus zeitgleich alles sieht und hört. Wenn man Hilfe braucht, kann man doch die Polizei rufen.“

W. Ziffus: „Ja, klar, das hat vor ein paar Monaten ein Transit-LKW-Fahrer gemacht, der nachts vor unserem Haus seinen Motor im Stand auf Dauerbetrieb hat laufen lassen und den wir mehrmals aufgefordert hat das zu unterlassen. Auf einmal klingelte nachts die Polizei bei uns und teilte uns mit, dass sie uns in Gewahrsam nehmen wird, wenn sie uns das nächste mal auf der Straße antrifft. Das war für uns eine klare Drohung seitens der Polizei und indirekte Mitteilung, dass hier nachts nur die Transit-LKW-Fahrer das Sagen haben. Nein, danke – zum Thema Polizei und Hilfe für uns zu diesem wilden LKW-Rasthof – von mir kein Wort mehr. Nur soviel:  Die Polizei – Dein Freund und Helfer? In der Grundäckerstraße jedenfalls sicher nicht für die dortigen Anwohner, die unter dem wilden Transit-LKW-Rasthof leiden.
Wir sind hier völlig allein auf uns gestellt, die Grundäckerstraße ist nach wie vor jede Nacht ein wilder Transit-LKW-Rasthof, dem man völlig ausgeliefert ist. Man würde gerne die Polizei um Hilfe rufen wollen, wenn Nachts ein LKW vor dem Haus parkt und stundenlang seinen Motor im Stand laufen lässt. Dieses Jahr haben wir das einmal gemacht. Die Polizei kam dann auch, nach einer Stunde, und hat uns erst mal nur verwundert gefragt ob und warum uns das denn stören würde.

Redaktion: „Die Stadtverwaltung hat doch im Oktober 2015 über die Presse verlautbaren lassen, dass es in Sachen Fäkalien durch das Aufstellen der Dixi-Toiletten besser geworden ist. Sehen Sie das auch so?“

W. Ziffus: *lacht* „Kommen Sie doch einfach mal nachts her und suchen die Dixi-Toiletten. Dann hat sich diese Frage erübrigt. Kein LKW-Fahrer geht nachts im Dunkeln durch die Straße und sucht eine Dixi-Toilette, von der er noch nicht mal weiss, dass es hier solche gibt und auch noch nicht mal zufällig sehen kann, denn die sind unbeleuchtet und zudem nachts meistens von anderen LKW, die im LKW-Parkverbot stehen, zugestellt.
Das kleine Geschäft wird hier nachts generell einfach direkt am LKW verrichtet und manchmal auch sogar das grosse Geschäft direkt am Bordstein.
Im Sommer, wenn es warm ist, kann man nur auf Regen hoffen, der den üblen Gestank in der Straße zumindest für eine kurze Zeit ein bisschen lindert. Straßenreinigung findet hier nicht statt. Den stadteigenen Wasserwagen zur Straßenreinigung haben wir hier nur einmal gesehen; am 5. August 2015, als der erste Pressebericht veröffentlich wurde.

Redaktion: „Zu lesen war aber auch, dass künftig die Randbereiche der Straße und auch in den Büschen regelmässig der Müll aufgesammelt und gereinigt wird. Ist das so?

W. Ziffus: „Nur Müll, der direkt auf oder an der Straße im Grünstreifen liegt, wird mehr oder weniger gründlich regelmässig entfernt. Das stimmt. Was aber die Büsche und Grünflächen betrifft, diese wurden zwar letztes Jahr von altem Müll gereinigt. Das war es dann aber auch. Tatsächlich wäre das eine Daueraufgabe, denn nach wie vor werfen die Transit-LKW-Fahrer nachts ihren Müll einfach aus dem Fenster neben die Straße oder im hohen Bogen in die Büsche. Da bleibt der dann auch wieder liegen.
Die Grundäckerstraße ist nach wie vor Müllplatz und Kloake. Toilette wird direkt an der Straße betrieben. Die ist übersät mit Flüssigkeitsausschüttungen jedweder Art; nicht nur Waschwasser und Urin. Auch altes Motoröl wird in die Kanalisation abgelassen oder direkt auf der Straße.

Redaktion: Es war auch von Beschwerden über Geschwindigkeitsüberschreitungen seitens der LKW-Fahrer zu lesen und dazu Kontrollen seitens der Stadt. Ist Ihnen darüber etwas bekannt?“

W. Ziffus:  Ja, diese Nummer habe ich auch gelesen und mich dabei vor Lachen fast auf dem Boden gerollt. Die Stadtverwaltung hatte letztes Jahr einmal in der Grundäckerstraße eine Geschwindigkeitskontrolle durchgeführt. An einem Freitagnachmittag, zwischen 15:00 Uhr und 17:00 Uhr. Blöd halt, wenn das genau der Tag und die Zeit ist, zu dem man sicher weiss, dass hier der ganze Verkehr in Dauerstau steht. Oder vielleicht auch nicht blöd, denn dann kann man natürlich in der Presse wahrheitsgemäss verlautbaren lassen, dass man keine besonderen Auffälligkeiten festgestellt hatte.

Redaktion:  „Vielleicht hatte es an anderen Tagen, zu anderen Zeiten auch noch Geschwindigkeitskontrollen gegeben?“

W. Ziffus:  „Zumindest was die Grundäckerstraße betrifft, kann ich das nicht bestätigen und dabei wäre aber genau in dieser Straße wichtig. Die Grundäckerstraße ist in nördlicher Richtung abschüssig. Wir erleben es hier täglich, dass LKW diese Straße in einem irren Tempo herunterdonnern. Selbst LKW-Fahrer, die hier tagsüber parken, schütteln den Kopf über diese, ihrer Ansicht nach, irren Berufskollegen und wundern sich, dass die Stadt hier nichts macht, weil das sehr gefährlich ist.
Wenn die Stadtverwaltung sich wirklich kümmern und wissen wollte an welchen Tagen und zu welchen Uhrzeiten hier am meisten gerast wird, oder welche Mißstände hier zudem herrschen, bräuchte sie nur die Anlieger und Anwohner fragen.
Aber vielleicht sind ja auch Nachts in den Böllinger Höfen rasende LKW-Fahrer für die Stadtverwaltung völlig in Ordnung, weil keine Gefahr darstellend?
Straßenverkehrsordnung, Regeln, Gesetze und Schilder – das alles ist scheinbar nachts und an den Wochenenden für die Transit-LKW-Fahrer in den Böllinger Höfen ausser Kraft gesetzt und für diese nicht gültig. Zumindest halten sich diese an nichts davon und es ist auch nachts und an den Wochenenden niemand vor Ort der die LKW Fahrer im Zaum zur Beachtung der Regeln hält.
Spricht man als Anwohner einen LKW-Fahrer an, um ihn z.B. aufzufordern, seinen nachts im Stand stundenlang laufenden Motor abzustellen oder seinen LKW nicht im LKW-Parkverbot abzustellen, interessiert diesen das überhaupt nicht. Droht man mit Polizei, lachen die nur, im besten Fall. Im schlimmsten Falle werden die nicht selten pöbelnd und ausfällig, bis hin zu aggressiv und sogar tätlich.
Unser persönliches Fazit nach diesem 1 Jahr seit der Stadtverwaltung bekannt ist, dass hier, hauptsächlich in der Grundäckerstraße, nachts und teilweise an den Wochenenden ein wilder Transit-LKW-Rasthof  betrieben wird, dass die Stadtverwaltung das und alle damit verbundenen Nachteile und Unannehmlichkeiten für die Anlieger weiss, nach wie vor aber nichts wirklich unternimmt, um wirklich Abhilfe zu leisten. Im Gegenteil, man hat zudem den Eindruck, dass die Stadtverwaltung Bürger, die auf diesen Mißstand aufmerksam gemacht und sich um Hilfe an diese gewandt hatten, obendrein dafür auch noch diskreditiert.“

Wir haben uns im Anschluss dieses ausführlichen Gesprächs die Grundäckerstraße genauer angesehen. Tatsächlich, es ist offensichtlich: Auf fast der gesamten Länge ist die Grundäckerstraße mit undefinierbaren Flüssigkeiten regelrecht durchsetzt, wie man auf den nachfolgenden Bildern sieht.

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Ein Blick in die Büsche und Grünstreifen. Müll wohin man schaut.
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Mitten in dem Müll, Fäkalienplätze, fast alle direkt an der Straße, unmittelbar an der Bordsteinkante.

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Das Highlight dieser Begehung. Mitten vor uns schüttete ein osteuropäischer Transit-LKW-Fahrer aus einem Kübel eine bräunlich, gelbliche Flüssigkeit aus seinem Fahrerhaus direkt daneben auf die Straße.img_1421
Natürlich darf und muss man Aussagen über einen angeblich vorliegenden Sachverhalt des Mißstandes immer auf seine Tatsächlichkeiten prüfen. Das haben wir unmittelbar nach unserem Gespräch getan und das Vorgefundene dokumentiert.
Auch wenn man es nicht wirklich gerne bestätigen will, aber die Bilder sprechen für sich und ganz sicher nicht gerade für eine Grundäckerstraße, die man in den Böllinger Höfen nicht mehr als Kloake sehen und benennen könnte.
Tatsächlich, das ist auch unser Eindruck nach über einem Jahr Bericht zur Kloake Grundäckerstraße und all der seitens der Stadtverwaltung versprochenen Maßnahmen zur Abhilfe muss man eigentlich nicht mehr danach Fragen, welche Maßnahmen eingeleitet wurden, sondern welche nicht eingeleitet wurden, um so ein Ergebnis verantworten zu müssen.  

 

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